TEILNAHME AN DER SENIORENWOCHE

Rückblick

Vortrag und Weinprobe am 19. Oktober 2016

Baden und Bayern – Berührungspunkte früher und heute

Seniorenwoche VortragUnser Vortrag: „Baden und Bayern – Berührungspunkte früher und heute“, mit anschließender Weinprobe fand im ASZ Berg am Laim statt. Schnell waren die 40 vorbereiteten Plätze besetzt und Herr Mayer, unser erprobt-leidenschaftlicher „Redner“ erhielt den gebührenden Applaus für seine Ausführungen. Fast ebenso erfolgreich nahmen die Gäste, die anschließende Verkostung auf, nachdem Herr Frey vorab, die jeweiligen Weingebiete vorgestellt hatte. In grünen Schürzen mit unserem Vereinslogo wurden die jeweiligen Weinsorten gekonnt serviert und fröhlich konsumiert. Eine gelungene Vorstellung der Region Badens und des Badener Vereins – so meinen wir!

Was die Alemannen mit München zu tun haben

Herr Krug eröffnete die Veranstaltung und Herr Mayer begann mit seinem Vortrag.
Hier in kurzer Form ein kleiner Auszug:

Schon in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends machten sich die Alemannen auf den Weg um sich neue Siedlungsgebiete zu erschließen. Zwei dieser Trupps landeten an der Isar, wo es München zu dieser Zeit noch nicht gab. Die beiden Anführer waren Herr Sentilo und Herr Swapo, die Namensgeber von Sendling und Schwabing.

Das nächste erwähnenswerte Datum ist das Jahr 1894 dem Gründungsjahr des Badener Vereins, gegründet in einem Gasthof in der Frauenstraße, um den ausgewanderten Landsleuten eine Verbindung zur Heimat zu bieten.Warum wanderten damals die Badener aus, dies hatte drei Gründe:
Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz wurde 1777 Kurfürst von Bayern und viele Landsleute folgten ihm.

1799 verstarb Karl Theodor und wurde in der Gruft der Theatinerkirche beigesetzt. Auf seine Initiative hin entstand in München unter anderem auch der Englische Garten. An seinen Namen erinnern heute noch das Karlstor und der Karlsplatz (Stachus). Zweiter Grund war die Beendigung der Säkularisation 1806, die zu zwei nachhaltigen politi-schen Ereignissen führten: Bayern wurde durch Napoleon Königreich und Baden Großher-zogtum mit Karl Friedrich als Regenten.

Die schlechte wirtschaftliche Lage der Bevölkerung in Baden im Jahre 1816 veranlasste König Max I (geboren in Schwetzingen) und seine Frau Karoline ihre Landsleute nach Bayern einzuladen, um sich hier anzusiedeln und einen Neuanfang zu versuchen. Sie stellten ihnen die damaligen Moorgebiete bei Rosenheim und Neuburg an der Donau kostenlos zur Verfügung, damit diese trocken gelegt und urbar gemacht wurden. Die Ortschaften Karlshuld und Großkarolinenfeld erinnern noch heute an das Königspaar und die ursprüngliche Verbindung zwischen Baden und Bayern.

Zum Schluss noch ein paar bedeutende badische Persönlichkeiten, die Spuren in Bayern hinterlassen haben: Mitglieder der Familie Kobel, der Maler Franz Kobel I und Franz Kobel II und Wilhelm von Kobell, die in Mannheim geboren waren und von Karl Theodor gefördert wurden. Georg Reichenbach aus Durlach, der als Salinenrat u.a. die Soleleitungen zwischen Berchtesgaden, Rosenheim und Bad Reichenhall geplant hat. Simon v. Eichthal war Mitbegründer der Bayer. Hypotheken- und Wechselbank, sein Enkel Carl v. Eichthal war der Finanzier des in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. errichteten Franzosenviertels in Haidhausen und des Wohnviertels um den Gärtnerplatz.

Friedrich Sckell aus Weilburg a.d. Lahn legte den Englischen Garten an, Kurfürst Karl Theodor hat dieses Projekt damals genehmigt. Auch der Klostergarten in Amorbach, der Mirabell-Garten in Salzburg und die Umgestaltung des Nymphenburger Schlossparks in die heutige Form stammen von Friedrich Sckell.
Besondere Spuren hat in München Bernhard Borst aus Offenburg hinterlassen. Er baute in den 1920er Jahren die Wohnsiedlung „Borstei“ in Neuhausen, eine Anlage mit über 700 Wohnungen. Das besondere an dieser Stadt in der Stadt ist, es gab damals schon wie auch noch heute eine eigene Zentralheizung, eine Großwäscherei, beheizte Garagen, eine eigene Ladenstraße und einen eigenen Hausmeisterdienst.
Auch auf kulinarischem Gebiet gibt es spezielle Berührungspunkte zwischen Baden und Bayern, denn Kässpätzle, Flammkuchen, Schupfnudeln, Flädle-Subb und als Nachtisch Schwarzwälder Kirschtorte werden auch von den Bayern gerne gegessen. Eine besondere Leibspeise der Bayern hat eigentlich badischen Ursprung, es ist der Leberkäs. Die Rezeptur stammt von einem Metzger aus Mannheim, der mit Kurfürst Karl Theodor nach München kam. Er war es, der dann die schmackhafte Komposition aus feingehacktem Schweine- und Rindfleisch kreierte und in einer Brotform gebacken anbot. Den knusprigen Laib nannten die Bayern „Laibkas“, woraus sich Leberkäs entwickelte.weinprobe

Gemeinsamkeiten gab es auch beim Wein. Im 16.Jhdt. erwähnt Aventinus, ein bayerischer Geschichtsschreiber in seiner Beschreibung der Bayern: „Der gemeine Mann sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt, tanzt und kartelt.“ Nicht das Bier sondern der Wein war damals das Getränk des kleinen Mannes.*

Soweit der Auszug aus dem wirklich interessanten und kurzweiligen Vortrag von Herrn Mayer.

* ©Franz Mayer, 2016